• Donnerstag, 19.10.2017
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ERFAHRUNGSWISSEN

Wie Erfahrung anderen hilft

Von Linus Baur  
Wie Erfahrung anderen hilft
© Foto: innovage
Die Beraterinnen und Berater von Innovage stellen ihr Wissen und Können unentgeltlich der Zivilgesellschaft zur Verfügung. Das Erfahrungs- und Fachwissen älterer Personen ist für die Zukunft unverzichtbar.


Jedes Jahr gehen Abertausende Personen in Pension und nehmen ein enormes Fachwissen mit. Um dieses Wissen für die Zivilgesellschaft nutzen zu können, gründete Migros-Kulturprozent 2006 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern/Soziale Arbeit Innovage. Heute ist Innovage in sieben unabhängigen regionalen Netzwerken organisiert und beschäftigt rund 120 Beraterinnen und Berater. Netzwerke gibt es in Bern-Solothurn, Nordwestschweiz, Ostschweiz, Suisse Romande, Tessin, Zentralschweiz und Zürich. Zwei weitere Netzwerke in Graubünden und Wallis sind im Aufbau.


   

Heute ein selbständiger Verein

Innovage vereint ehemalige Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und Beratung, die ihr wertvolles Wissen unentgeltlich für öffentliche und gemeinnützige Anliegen einsetzen. Mitglied eines Netzwerks wird, wer die mehrtägige Einführung besucht und ein halbes Jahr aktiv in einem Netzwerk mitarbeitet.

Seit Sommer 2010 ist Innovage ein selbständiger Verein mit einer Geschäftsleitung, in der alle Netzwerke vertreten sind, und mit einer eigenen Geschäftsstelle in Bern. Über die Organisation ist vor zwei Jahren unter dem Titel „Die andere Karriere – Gesellschaftliches Engagement in der zweiten Lebenshälfte – am Beispiel Innovage“ ein Buch von Beat Bühlmann erschienen, das die Erfahrungen der Innovage-Praxis anhand von Porträts und konkreten Projekten nachzeichnet und in mehreren Fachartikeln zum selbstbestimmten Engagement nach dem Erwerbsleben ermuntert.


  Die TERTIANUM-Stiftung und Innovage sind Partner.  

Partnerschaften

Innovage pflegt verschiedene Partnerschaften, so mit der Job-Internetplattform activas, mit Seniorweb und der TERTIANUM-Stiftung. Weitere Kooperationen mit gleichgesinnten Organisationen sind im Gespräch. Um der vielfältigen Herausforderungen gewachsen zu sein, bietet Innovage ihren Mitgliedern jährlich zwei bis drei Weiterbildungskurse wie beispielweise Projektmanagement oder Fundraising an. Diese sind stets gut besucht und werden sehr geschätzt. Auch treffen sich die Mitglieder einmal im Jahr zur Innovage-Tagung, die jeweils von einem der sieben Netzwerke organisiert wird. In diesem Jahr wurde nach Basel geladen, wo in verschiedenen Referaten das Thema „Basel bewegt anders“ behandelt wurde und die Netzwerke ihre Arbeit und aktuellen Projekte präsentieren konnten.


Rund 50 Projekte in Arbeit

Im Vordergrund von Innovage steht die Projektarbeit. Die Mitglieder, die recht unterschiedliche Berufs- und Kadererfahrungen mitbringen, bieten zahlreiche Kompetenzen und Einsatzmöglichkeiten an. Entsprechend gross ist die Palette an Projektanfragen von gemeinnützigen Organisationen, die an die Netzwerke herangetragen werden. Landesweit sind bislang rund 40 Projekte, darunter auch eigene, erfolgreich abgewickelt worden. Weitere rund 50 Projekte sind in den sieben Netzwerke in Arbeit. Neue Projekte werden laufend evaluiert und verhandelt. Die Arbeit von Innovage wird durch die Hochschule Luzern/Soziale Arbeit wissenschaftlich begleitet.

Die Anzahl Projekte, ihre Vielfalt und die Zufriedenheit der Auftraggeber sind der beste Beweis dafür, dass Innovage einen wertvollen Beitrag für das Gemeinwohl leistet. Hier vier Projektbeispiele, die abgeschlossen oder am Laufen sind:

  • Der Verein revita wollte in Wuppenau (Thurgau) einen Dorfladen eröffnen, um psychisch beeinträchtigten Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, die Nahversorgung sicherzustellen und Lernende auszubilden. Durch die Beratung und tatkräftige Mithilfe des Netzwerks Ostschweiz wurde die Projektidee weiterentwickelt und umgesetzt. Der Dorfmarkt bewährt sich seit seiner Inbetriebnahme vor rund zwei Jahren bestens.
  • Im Auftrag von Seniorweb hat das Netzwerk Zürich in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Bern ein E-Learning-Konzept erarbeitet und Workshops organisiert. Von Mitte November 2011 bis März 2012 fanden zwei Workshop-Serien in Bern und Zürich mit je zehn Teilnehmenden statt. Nach dem Prinzip des Design Thinking ergründeten die Teilnehmenden zuerst die Bedürfnisse der Nutzer, dann formulierten sie die Lernziele und Lerninhalte und erstellten erste Lernangebote für Senioren. Im vergangenen März wurden die fertig gestellten Lernangebote einem interessierten Publikum präsentiert und auf Seniorweb aufgeschaltet.
  • Der Verein Euforia, unter der Leitung vor Jeronimo Calderon, setzt sich aus jungen Leuten zusammen, die Projekte im humanitären und sozialen Gebiet fördern und unterstützen wollen. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Suisse Romande will Euforia ihre weitere Entwicklung sichern, die Schranken zwischen den Generationen abbauen und dabei die berufliche Erfahrung Älterer einbeziehen.
  • Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) ist seit 1953 der politische Vertreter der Gemeinden auf Bundesebene. Er stärkt mit seinem politischen Engagement die Institution Gemeinde als Basis des förderativen Systems und setzt sich für einen guten und flächendeckenden Service public ein. 2009 hat der SGV das Netzwerk Bern-Solothurn beauftragt, die Organisationsentwicklung des Verbandes konzeptionell zu begleiten.


Anpruchsvolle Ziele

Innovage setzt sich für die kommenden Jahre anspruchsvolle Ziele, die sich vor allem auf seine Wirkung beziehen. Diese drückt sich in erster Linie in der Anzahl abgeschlossener Projekte, in der Qualität der Arbeit und in der Zufriedenheit der Auftraggeberinnen und Auftraggeber aus. Darüber hinaus will sich Innovage auch vergrössern und verbreitern. Dafür sollen weitere regionale Netzwerke geschaffen und die Anzahl an Beraterinnen und Beratern erhöht werden.

 

 
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