• Donnerstag, 19.10.2017
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AUSWANDERN NACH DER PENSIONIERUNG

Immer mehr Pensionierte wandern aus

Von Urs Ruch  
  Immer mehr Rentner und Pensionierte wandern aus
   
© Foto: Julien Christ / pixelio.de
Auswandern nach der Pensionierung liegt im Trend. Immer mehr Rentner vollziehen diesen Schritt und kehren ihrer Heimat für immer oder zeitweise, zum Beispiel während der kalten Jahreszeit, den Rücken.

Altersmigration

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Pensionierte Auswanderer
und Rückkehrer
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  • vor der Auswanderung stehende,
  • als Rentner ausgewanderte (auch nur zeitweise) und
  • vom Ausland zurückgekehrte
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Dieses im Fachjargon "Altersmigration" genannte Phänomen trat zuerst in den USA auf und wurde dort intensiv untersucht. Im Unterschied zu den Verhältnissen in den Vereinigten Staaten bedeutet die Altersmigration in Europa für die Betroffenen fast immer das Verlassen des eigenen Sprach- und Kulturraums. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Strom der europäischen Altersmigration fast ausschliesslich von Norden nach Süden verläuft und die Zielgebiete weitgehend mit den Destinationen des internationalen Fremdenverkehrs identisch sind. Es ist augenscheinlich, dass das Auswanderungsziel in vielen Fällen nicht zufällig gewählt ist, sondern dass positive Erinnerungen an unbeschwerte Ferientage die Wahl des Ziels ganz wesentlich beeinflussen.

Die Beweggründe für die Auswanderung sind individuell und vielfältig. Für die einen ist es das warme Klima in den südlichen Gefilden, für die anderen sind es die tiefen Lebenshaltungskosten und die niedrigen Immobilienpreise. Wieder andere sehnen sich nach der lebensfrohen Mentalität ihrer neuen Heimat, oder sie folgen dem Ruf ihrer Kinder und Freunde. Schliesslich gibt es noch diejenige Gruppe von Rentnern, die sich mit der Auswanderung einfach einen lang gehegten Traum erfüllt.


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Fakten und Zahlen

Europa im 21. Jahrhundert ist der Kontinent mit überproportional vielen Alten. Während weltweit der Anteil der über 65-Jährigen bei 7% liegt, beträgt er auf dem alten Kontinent 15%, in der Schweiz 16% und bei den Auslandschweizern gar 18.6%.

Im Jahr 2010 veröffentlichte die britische Firma Aon Consulting eine Studie, in der sie 7500 europäische Arbeitnehmer (darunter 500 Schweizer) mit der Frage konfrontierte, wo sie gedenken, ihren späteren Lebensabend zu verbringen. Die Antworten waren wie folgt:


Im eigenen Land alt werden wollen

 
87% der Spanier 1000 Befragte
81% der Franzosen 1000
74% der Dänen 502
63% der Norweger 500
61% der Niederländer 752
53% der Schweizer 500
49% der Irländer 502
46% der Deutschen 1019
43% der Engländer 1005
Download Original
 
 Quelle: Aon Consulting 2010

Die Studie repräsentiert zwar nur einen kleinen Anteil der Arbeitnehmer. Sie bestätigt aber trotzdem einen Trend, der auch in der Schweiz seit Jahren feststellbar ist:


  Fast die Hälfte der Schweizer kann sich vorstellen, nach der Pensionierung ins Ausland zu ziehen, um dort am Ort ihrer Sehnsucht für immer, oder auch nur zeitweise, in ein neues, unbeschwertes Leben zu starten.  

Das Wanderungsverhalten der Schweizer Rentner
Eine amtliche Statistik über das Wanderverhalten der Schweizer Rentner ist leider nicht verfügbar. Gründe dafür gibt es mehrere:

  • Zum einen sind es die grossen Unterschiede im Meldewesen von Staat zu Staat, die eine korrekte Erhebung erschweren.
  • Zum andern ist erfahrungsgemäss nur ein Bruchteil der Altersmigranten tatsächlich vor Ort gemeldet. Eine Vielzahl verzichtet auf die Anmeldung, weil der ausländische Alterssitz nur zum temporären Aufenthalt genutzt wird, zum Beispiel während der Winterzeit.
  • Ferner wird vermutet, dass viele Senioren aus persönlichen, steuerlichen oder auch versicherungsrechtlichen Gründen ihren Wohnsitz zu Hause nicht ummelden.
  • Zu guter Letzt berücksichtigen die amtlichen Auswanderungsstatistiken nicht, ob der Emigrant erwerbstätig ist oder nicht.
Trotz dieser Unzulänglichkeiten sprechen Indizien dafür, dass die Anzahl der pensionierten Emigranten stetig steigt und sich in den letzten 20 Jahren mindestens verdoppelt hat.

Auszug aus der Auslandschweizerstatistik 2011

 
Anzahl der im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer
Lebensraum 1995 2010 2011
        Diff. zu
2010
Altersgruppe
<18 18-65 >65
    Absolut Relativ
Europa 326256 429498 435203 +1.3% 94519 253570 83536 19.19%
Afrika 16650 20008 20163 +0.8% 4570 11952 3641 18.06%
Amerika 142967 174158 174620 +0.3% 34484 105411 34725 19.89%
Asien 19845 41467 43328 +4.5% 14489 24884 3955 9.13%
Ozeanien 22077 29992 30326 +1.1% 6156 19370 4800 15.83%
Total 527795 695123 703640 +1.2% 154218 415187 130657 18.57%
Schweiz 2010 15.70%
Download Original
 
 Quelle: EDA, Konsularische Direktion, Auslandschweizerbeziehungen, 3003 Bern  

Die «Schallmauer» von 700’000 Auslandschweizern wurde im Jahr 2011 durchbrochen. Per 31. Dezember 2011 lebten 703’640 Schweizerinnen und Schweizer ausserhalb der Grenzen ihres Heimatstaats, davon 130’657 oder 18.57% über 65-Jährige. Damit liegt der prozentuale Anteil der Schweizer Rentner im Ausland um fast 3% höher als derjenige der "Daheimgebliebenen" mit 15.7%.

Der asiatische Kontinent verzeichnete 2011 zum vierten Mal in Folge den höchsten prozentualen Anstieg der Auslandschweizer-Einwanderung (+ 4,5%), gefolgt von Europa (+ 1,3%), Ozeanien (+ 1,1%), Afrika (+ 0,8%) und Amerika (+ 0,3%).

Die grösste  Auslandschweizer-Kolonie hat Frankreich mit 183’754 Personen (26,1%), gefolgt von Deutschland mit 79'050 und den USA mit 75’637 Personen.

Wandel im Wanderungsverhalten

Die folgende EDA-Statistik zeigt mittels Indikatoren das Wanderverhalten der Schweizer seit 1981. Damals war der Wanderungssaldo noch positiv, d.h. die Anzahl der in die Schweiz eingewanderten Schweizer (Rückkehrer) übertraf diejenige der Auswanderer. In den Neunzigerjahren änderte sich das Bild: Bereits 1990 und in jedem folgenden Jahr zeigt die Statistik einen negativen Saldo, d.h. der Anteil der auswandernden Schweizer war ab 1990 in jedem Jahr grösser als derjenige der Rückkehrer.

Indikatoren der Wanderung von Schweizern in der Schweiz
 
Jahr Einwanderungs-
ziffer 1)
Auswanderungs-
ziffer 2)
Wanderungs-
saldo 3)
1981 5.2 5.1  0.1
1990 5.6 5.7 -0.1
1995 4.0 5.3 -1.3
2010 3.7 4.1 -0.4
Download Original
 
 Quelle: EDA, Konsularische Direktion, Auslandschweizerbeziehungen, 3003 Bern
  1) Anzahl Einwanderungen bezogen auf 1000 Personen der ständigen Wohnbevölkerung in der Jahresmitte.
2) Anzahl Auswanderungen bezogen auf 1000 Personen der ständigen Wohnbevölkerung in der Jahresmitte.
3) Internationaler Wanderungssaldo bezogen auf 1000 Personen der ständigen Wohnbevölkerung in der Jahresmitte.
 


Der Entscheid zur Auswanderung ist einfacher geworden

Der modernen Technik ist es zu verdanken, dass wir die Erde heute als klein und überschaubar empfinden. Viel kleiner jedenfalls als damals, als das Auswandern mit den grossen Wanderungsströmen des 19. Jahrhunderts Richtung Amerika und Australien noch mit einem risikoreichen Abenteuer mit oft unbekanntem Ausgang verbunden war. Heute gibt es kaum noch eine Destination auf Erden, die nicht innert 24 Stunden per Flugzeug oder in wenigen Sekunden per Handy erreichbar ist. Die weltweit verfügbaren technischen Lösungen, die standardisierten Produkte, ihre einfache Nutzung und die vielen preisgünstigen Angebote haben unser Reise- und Kommunikationsverhalten stark verändert.

Dank Billigfliegern und Flat Rates haben die Auswanderer heute die Möglichkeit, selbst im entferntesten Ausland ihre "Daheimgebliebenen" jederzeit real oder virtuell kostengünstig in der eigenen Stube zu "versammeln". Es sind denn auch die Besuche in oder aus der Heimat sowie die regelmässige Kommunikation per Telefon, Mail, Twitter, Facebook etc. mit den Lieben zu Hause, die zu den angenehmen Abwechslungen im Leben der pensionierten Auswanderer im Ausland zählen.

Beweggründe fürs Auswandern

Auswanderung nach Thailand: Schweizer Renter in Hua Hin.Es ist die Sehnsucht nach Wärme, Licht und mediterranem Lebensstil, welche eine wachsende Zahl von Schweizer Rentnern zum Auswandern bewegt. Laut Roland Flükiger, Chef der Sektion Auswanderung im Bundesamt für Migration, ist es dann aber ausgerechnet auch das Klima, welches am neuen Alterssitz oft zum grössten Problem im Alltag wird. 365 Tage Sonne pro Jahr oder die lange Regenzeit in tropischen Ländern sind für die meisten Schweizer ungewohnt und können ihre Psyche arg strapazieren.

Nebst der Sehnsucht nach Sonne, Wärme und Meer sind es in vielen Fällen die tiefen Lebenshaltungskosten und die niedrigen Immobilienpreise, die auswanderungswillige ältere Menschen in fremde Länder zieht. Auch gesundheitliche Aspekte spielen eine Rolle: wenn zum Beispiel am Meer die Gelenke nicht mehr schmerzen oder die chronische Bronchitis plötzlich verschwindet. Eine andere Gruppe von Altersmigranten erfüllt sich nach einem langen und oft beschwerlichen Erwerbsleben einen Traum und will am Ort ihrer Sehnsucht endlich in ein neues, unbeschwertes Leben starten. Dass von diesen Personen auch einige in die Schweiz wieder zurückkehren, davon wird ein späterer Artikel auf SenLine handeln.
 
Weitere Artikel zum Thema, die demnächst auf SenLine erscheinen werden:
     
 
  • Die beliebtesten Auswanderungsziele der Schweizer Rentner
  • Forbes-Liste 2012 – The World’s Top Retirement Havens in 2012
  • Die 10 weltweit besten Auswanderungsländer (für Rentner)
  • Ratgeber für pensionierte Auswanderungswillige
  • Wie wichtig sind Sprachkenntnisse?
  • Betreutes Wohnen im Ausland
  • Die medizinische Versorgung im Ausland
  • Rechtliche und versicherungstechnische Aspekte
  • Welches Land ist für mich das Richtige?
  • Erfahrungsberichte von Aus- und Rückwanderern
  • Kontaktadressen
 
 
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